Georg Friedrich Händel
Innentitel aus „Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel“, 1760 von John Mainwaring, London
Händel komponierte „Messiah“ im Sommer 1741. Das Oratorium basiert auf der „King-James-Bibel“ und des „Book of Common Prayer.“ Die Uraufführung fand am 13. April 1742 in Dublin statt und wurde als Benefizkonzert für mehrere karitative Organisationen angekündigt:
„For the Relief of the Prisoners in the several Gaols, and for the Support of Mercer’s Hospital in Stephen’s Street and of the Charitable Infirmary on the Inns Quay, on Monday the 12th of April [recte April 13], will be performed at the Musick Hall in Fishamble Street, Mr. Handel’s new Grand Oratorio, call’d the MESSIAH, in which the Gentlemen of the Choirs of both Cathedrals will assist, with some Concertoes on the Organ, by Mr Handell.“ .

Grenzenlos – Weihnachten 1989

Wie für Chorsänger und Orchestermusiker allgemein, ist die Weihnachtszeit auch für die Mitglieder des Leipziger Rundfunkchores immer eine ganz besondere „Jahreszeit“.
In den Familie wird das Fest vorbereitet, an jedem Adventssonntag kündet das Entzünden einer weiteren Kerze die nahende Erinnerung an die Christgeburt – und in den Probenräumen verbreiten sich stimmungsvolle weihnachtliche Klänge, vergleichbar dem sich in den Wohnungen ausbreitenden Plätzchenduft.

In der Advents- und Weihnachtszeit 1989 war jedoch alles anders, denn wenige Wochen zuvor hatten die DDR-Bürger die Öffnung der deutsch-deutsche Grenze friedlich erkämpft. Was lag näher, als die Weihnachtsbotschaft von Leipzig aus auch in den anderen Teil Deutschlands zu bringen.
Die Partnerschaft der Messestädte Leipzig und Hannover machte es für den Rundfunkchor Leipzig leicht, am Freitag vor dem 3. Advent ein Konzert mit Weihnachtsliedern in der Hannoverschen Markuskirche zu organisieren. Nicht wenige Chormitglieder reiste sogar mit dem eigenen PKW an.

Im Dezember des Jahres zuvor hatten die Leipziger Rundfunk-Klangkörper mit einer Aufführung aller sechs Kantaten des Bach’schen Weihnachtsoratoriums in der West-Berliner Philharmonie gastiert, was der Rezensent der Berliner Morgenpost unter anderem mit den Worten kommentierte: „Die Leipziger Musiker würde man herzlich gern recht bald mit anderen Aufgaben wieder hören.“
Dass das Westberliner Publikum den Chor und das Sinfonieorchester des Senders Leipzig schon nach Jahresfrist erneut erleben würden, war 1988 freilich noch nicht zu erahnen.

Für den 23. Dezember 1989 erfolgte nun kurzfristig die Einladung zu einem Konzert in die West-Berliner Philharmonie.
Chor und Orchester hatten Ende November unter der Leitung Max Pommers den Messias von Georg Friedrich Händel in zwei Konzerten im Leipziger Gewandhaus aufgeführt. Da lag es auf der Hand, dieses, in Teilen auch auf die Christgeburt bezogene Werk, ohne großen zusätzlichen Probenaufwand in Berlin zu Gehör zu bringen.

 

Max Pommer Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig von 1987 bis 1991
© Fotodruck: Archiv des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig
Aus der Chronik „Mitteldeutscher Rundfunk – Die Geschichte des Sinfonieorchesters [1999]“ – Klaus Winkler

 

 

Georg Friedrich Händel (1685 in Halle – 1759 in London Westminster)
MESSIAH

03 And the glory

 

08 For unto us

 

25 Lift up your heads

 

32 Halleluja
Aufnahmen aus dem Konzertmitschnitt vom 23. Dezember 1989 in der Berliner Philharmonie

 


 

Die Reaktion des Berliner Publikums war ebenso grandios wie die Kritik im Tagesspiegel. Auch das Neue Deutschland berichtete kurz vom Gastspiel der Leipziger.

Übernachteten im Dezember 1988 die Klangkörper noch in Ostberlin und wurden mit Bussen über die Grenze in die Philharmonie gebracht, reiste man diesmal ohne Grenzkontrolle direkt an den Konzertort, es bestand die Möglichkeit, Freunde und Bekannte zu treffen oder erstmals zu Fuß durch das Brandenburger Tor zu gehen.

Zwischen den beiden „Grenzübertritten“ sang der Rundfunkchor Leipzig am 17. Dezember in einem Anrechtskonzert der Reihe „Zauber der Musik“ im Gewandhaus zu Leipzig das Oratorio de Noël von Saint Saëns sowie das Adventlied und das Neujahrslied von Robert Schumann, diesmal zusammen mit dem Großen Rundfunkorchester Leipzig unter der Leitung von Horst Neumann.

Rüdiger Koch

 

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