„GLANZ UND KLANG” IN TON UND BILD

 

 

Die Übertragungswagen des MDR Kulturkanals vor der Semperoper Dresden

Die Übertragungswagen Ü11 und Ü12 des MDR Kulturkanals vor der Semperoper Dresden, 1994 I Foto: MDR-Gerhard Hopf

 

… von der Konzertübertragung zum „historischen Gedächtnis“

Erinnerungen von Steffen Lieberwirth

Alles begann, als das wiedergeborene Land Sachsen sich 1990 anschickte, einen demokratischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufzubauen. Und der sollte von Anfang an einen eigenen Kulturkanal bekommen. Programmideen gab es reichlich. Erstmals seit Jahrzehnten übten sich Journalisten wie Redakteure im freien Wort. Doch was nützte das größte Engagement, wenn die Rundfunkfrequenzen immer noch vorrangig zur Ausstrahlung der früheren zentralen Berliner Sender dienten. Hier mussten neue Kompetenzen her, ohne Antrag und ohne Bürokratie. Es war eine Zeit partisanenartiger Zustände. Die wöchentlichen Redaktionskonferenzen mutierten zusehends zur Strategieschmiede. Buchstäblich in Nacht- und Nebelaktionen entwickelte binnen weniger Tage und Nächte eine handvoll eingeweihter Redakteure klammheimlich das Programmschema für einen Kultursender. Hoch motiviert – und allen Berliner Plänen trotzend – ging am 1. März 1991 kurz vor 19.00 Uhr endlich der sächsische Kulturkanal „Sachsen III-Kultur“ auf Sendung. Dafür wurden der Dresdner UKW-Sender „Wilsdruff“ und in Leipzig der Sender „Wiederau“ genutzt. Auf deren Frequenzen war jahrzehntelang Radio DDR I ausgestrahlt worden. Während Berlin noch eine Vorschau auf sein Abendprogramm brachte, wurden wenige Sekunden vor der Aufschaltung des sächsischen Programms die Übertragungsleitungen aus Berlin mitten im Wort gekappt und abgeschaltet. Punkt 19.00 Uhr folgte dann erstmals die Senderkennung des jungfräulichen Kulturkanals. Gefüllt mit Wortsendungen und Aufzeichnungen aus dem Konzertsaal stand dem Kulturkanal damals lediglich eine tägliche Sendezeit in den Abendstunden ab 19.00 Uhr bis 2.00 Uhr nachts zur Verfügung.

Bestandsgarantien gab es für die aus dem Boden gestampfte Kulturwelle natürlich keine. Wie gerufen kam da eine Idee des Saarländischen Rundfunks, gemeinsam mit Radio France „musique“ allwöchentlich freitags zu kooperieren. Grenzüberschreitend und Europaweit! Ein genialer Schachzug, der dem sächsischen Kulturkanal – trotz vieler politischer Abschaltungsandrohungen – die Existenz bis zum Sendestart des mitteldeutschen ARD-Kulturkanals MDR KULTUR (heute MDR FIGARO) sicherte.

Warum ich diese alten Radiogeschichten hier erzähle? Weil damit die Sächsische Staatskapelle „ins Spiel“ kommt, denn sie war für uns gleichermaßen künstlerisch wie medienpolitisch ein „Schwergewicht“!

Acht Konzerte in jeder Spielzeit wurden damals mitgeschnitten und ausgestrahlt. Man konnte live dabei sein und im heimischen Wohnzimmer Sternstunden miterleben, wenn Sir Colin Davis oder Giuseppe Sinopoli mit der Kapelle zur Hochform aufliefen! Im Fall von Sinopoli sogar unwiederbringliche Erlebnisse!

Vorhandene Sendplätze mit klassischen Programminhalten zu füllen, war damit also reichlich gegeben. Neben den regelmäßigen Live-Übertragungen aus der Dresdner Semperoper und dem Gewandhaus zu Leipzig konnte die Musikredaktion auf Alt- und Uraltbestände ihrer Schallarchive in den Leipziger und Dresdner Funkhäusern zurückgreifen. Bis zurück ins Jahr 1931 reichen die kulturgeschichtlich sensationellen Bestände. Das ist die Zeit der frühesten noch erhaltenen Rundfunkübertragungen(!) mit der Staatskapelle unter Fritz Busch…

Doch damit nicht genug: Im Leipziger Funkhaus fand sich noch aufregend spannendes Sendematerial, denn hier, im sogenannten „Giftschrank“ – einem respekteinflößenden Panzerschrank im tiefen Funkhauskeller – war „gesperrtes“ Sendematerial unzugänglich gemacht worden. Hier fanden sich Aufnahmen all jener Künstler, die zu DDR-Zeiten politisch in Ungnade gefallen waren, die in den Westen gegangen oder Ausreiseanträge gestellt hatten. Aber auch Aufnahmen solcher Werke, die nicht mehr ins politische Konzept der DDR-Gralshüter passten. Janáceks Dresdner „Katja Kabanowa“-Aufzeichnung mit Elfride Trötschel als Katja ist ein beredtes Beispiel dafür.

Was wäre nun ein Rundfunkprogramm ohne gute Mannschaft? Also wurden quasi auf Zuruf und per Handschlag auch die in Dresden und Leipzig beschäftigten Mitarbeiter der bis dato unter Berliner Postverwaltung stehenden „Musikproduktion“ dem sächsischen Kultursender angeschlossen. Das waren 1990 immerhin zehn Tonmeister und die Besatzungen von zwei Übertragungswagen des Typs W 50. Ein Glück, denn Konzert-Live-Übertragungen waren somit ohne langwierige Beantragungs- und Vorbereitungsphasen möglich. Ebenso unkompliziert gestalteten sich die Verhandlungen zum Erwerb der Senderechte mit dem Orchestervorstand und dem Management der Kapelle. Konnte es bessere Voraussetzungen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit geben? Die intensiv freundschaftlich-vertrauensvolle Beziehung zwischen der Staatskapelle und dem Mitteldeutschen Rundfunk haben hier ihre tiefen Wurzeln.

Aber nicht nur die künstlerische Leistung der Kapelle hat uns Rundfunkleute immer wieder beeindruckt, sondern auch das kollegiale und partnerschaftliche Denken der Musiker. Mehr noch, unser beider Situation war in vielen Dingen vergleichbar. Wir alle waren auf der Suche.

Die Sächsische Staatskapelle und der Mitteldeutsche Kulturkanal sind sich bis heute treu geblieben. Deshalb gilt MDR FIGARO als verlässlicher Partner für Rundfunkanstalten von Kanada bis Australien, um Konzertübertragungen weltweit zugänglich zu machen. Verantwortlich für diesen internationalen Programmaustausch ist der MDR Musikredakteur Michael Oehme. Er berichtet begeistert darüber, dass „Konzertaufnahmen mit der Sächsischen Staatskapelle bei den in der Europäischen Rundfunkunion vereinten Radiostationen zunehmend besonderes Ansehen genießen. Auch hier ist der künstlerische Ruf dieses Orchesters mit seiner über 460jährigen Tradition legendär. Hinzu kommen die prominenten Dirigenten und Solisten, die mit der Staatskapelle zusammenarbeiten, sowie die mit Semperoper und Frauenkirche Dresden äußerst attraktiven Auftrittsorte. Höhepunkte sind die alljährlichen Gedenkkonzerte zum 13. Februar 1945 sowie die auf Richard Wagner zurückgehenden Palmsonntagskonzerte. Zugegebenermaßen macht es großen Spaß, für die Musikfreunde das Konzertprogramm im Radio zu entwerfen. Glücklich kann man sich schätzen, wenn man, wie im Falle Mitteldeutschlands aus einer besonderen kulturellen und musikalischen Vielfalt schöpfen kann. Musikstädte wie Dresden, Leipzig und Weimar, Orchester wie die Sächsische Staatskapelle und das Gewandhausorchester Leipzig, die Klangkörper des Mitteldeutschen Rundfunks, der Dresdner Kreuzchor und die Leipziger Thomaner, sie gehören zu einem Reichtum, um den uns viele beneiden. Konzerte im Radio wollen langfristig geplant sein. Entscheidungen über Mitschnitte fallen teilweise schon ein Jahr im Voraus. Die dafür notwendige Verlässlichkeit sichert seit 2002 eine Rahmenvereinbarung, in der die Zahl der Mitschnitte auf zehn Konzerte pro Spielzeit erhöht werden konnte. Eine wunderbare Grundlage für hochkarätige Musikerlebnisse im Radio. Nimmt man die vorliegenden Archivaufnahmen, die überaus erfolgreichen Veröffentlichungen in der ´EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN´ sowie alle anderen kaum überschaubaren Einspielungen auf CD hinzu, ist – nach den hauseigenen Klangkörpern des Mitteldeutschen Rundfunks – die ´Kapelle´ das am stärksten vertretene Orchester im Programm von MDR FIGARO.“

Nach dem überraschenden Tod des Chefdirigenten Giuseppe Sinopoli im Jahre 2001 gaben sich der Orchestervorstand der Kapelle, Orchesterdirektor Jan Nast und Konzertdramaturg Eberhard Steindorf sowie der Autor als damaliger Musikchef des MDR-Kulturradios, das Versprechen, die Konzertmitschnitte unter Stabführung des italienischen Maestros nur in einer zusammenhängenden Reihe und weltweit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jahre gemeinsamer Überlegungen sollten vergehen. 2005 endlich war es dann soweit. Wir konnten das über Jahrzehnte hinweg behütete „Füllhorn“ der eindrucksvollsten Konzertereignisse endlich ausschütten, denn es herrschte jetzt Einvernehmen darüber, die „aufregendsten“ Konzertmitschnitte – auch über Sinopoli hinaus – in einer gemeinsamen CD-Reihe beim noch jungen aber weltweit agierenden Label Hänssler Profil zu veröffentlichen.

Heute spricht die Presse von einer „Erfolgsstory“ und weltweit positiver Resonanz. 31 Folgen sind bisher erschienen. Labelmanager Günter Hänssler verrät das Geheimnis der Serie, „bei der wirtschaftlicher Erfolg nicht das einzige ist, was zählt. Vielmehr ist es die Gesamtheit der Edition, ihr innerer historischer Aufbau, die dem Musikliebhaber die mehr als 450-jährige Tradition dieses Spitzenorchesters vermittelt und jede einzelne Veröffentlichung zu einem individuellen Klangerlebnis werden lässt, ganz gleich, ob es sich dabei um einen aktuellen Live-Mitschnitt aus dem 21. Jahrhundert oder eine technisch aufwendig aufbereitete historische Aufnahme aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts handelt.“

Gewürdigt werden sollte auch das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) mit seinen Standorten in Potsdam Babelsberg und Frankfurt/Main. Dieser Institution obliegt unter anderem die Verwaltung der historischen Aufnahmen und der gesamten Bestände des Rundfunks der DDR. Dank einer im Jahr 2006 mit MDR FIGARO geschlossenen einmaligen und exklusiven Regelung ist es möglich, auch auf die historischen Dresdener Aufnahmen zuzugreifen.

„Aber auch das ist es noch nicht allein“, sagt Günter Hänssler: „Erst die Kreativkraft der redaktionellen Zusammenarbeit von Steffen Lieberwirth mit dem Orchesterdirektor Jan Nast, dem Konzertdramaturgen Tobias Niederschlag und Andreas Schreiber vom Orchestervorstand macht es möglich, die Aufnahmen aus dem Archiv herauszufiltern, die für eine Veröffentlichung im Rahmen dieser Edition prädestiniert sind.“

Unterstützung erhält das Gremium durch die Mitwirkung des ehemaligen Konzertdramaturgen der Staatskapelle, Eberhard Steindorf, der als Zeitzeuge die Staatskapelle mehr als 30 Jahre begleitet hat und somit auch die letzten Geheimnisse vorhandener Mitschnitte vergangener Jahrzehnte kennt. Letzte Qualitätsprüfungen erhalten die ausgewählten Aufnahmen durch den Orchestervorstand der Staatskapelle  und die „scharfen Ohren“ des Tonmeisters Holger Siedler in seinem Studio in Dormagen, der mit Hilfe modernster Technik sämtliche Aufnahmen – ob alt oder neu – zu einem echten Erlebnis werden lässt. Ein Erfolg, der sich mittlerweile auch durch drei „Echo Klassik“, den Jahrespreis der französischen und der schwedischen Schallplattenkritik sowie den Midem Classic Award Cannes, darstellt.

Und richtig: Als vor fünf Jahren Edward Elgars 1. Sinfonie den Reigen der Edition Staatskapelle eröffnete, horchte die Musikwelt, vor allem die englischsprachige, auf. Wie konnte es sein, dass ein deutscher Klangkörper mit einem britischen Dirigenten einen solchen Elgar musiziert; frisch, flexibel und mit einer klanglichen Noblesse, die man sonst nur den landeseigenen Klangkörpern zutraute? Schnell galt dieser Live-Mitschnitt, aufgenommen 1998 in der Semperoper, als neue Referenzaufnahme des Werkes, hinter der andere, auch britische Aufnahmen zurückstehen mussten.

Dann 2009: Das Jahr startete für die Staatskapellen-Edition mit einer Sensation. Eine internationale Jury der Musikmesse „MIDEM“ verlieh in Cannes der CD-DVD-Box „Fritz Busch und Dresden“ den begehrten „MIDEM Classical Award“ in der Kategorie „Historical“. Damit würdigte die Jury diese außerordentliche Edition, die als eine späte Wiedergutmachung für den 1933 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertriebenen Dirigenten Fritz Busch konzipiert ist. Die Box enthält – dank ambitionierter Unterstützung durch das Brüder-Busch-Archiv in Karlsruhe sowie weltweiter Kontakte des Musikwissenschaftlers und MDR Figaro-Autors Jens-Uwe Völmecke zu einschlägigen Musikarchiven – drei CDs mit sämtlichen existierenden Aufnahmen der Staatskapelle Dresden (1923 – 1932) unter der Leitung von Fritz Busch. Dazu gehören ein ausführliches Begleitbuch sowie eine DVD mit Zeitdokumenten und einem originalen Kino-Lichttonfilm, der 1932 mit Fritz Busch am Pult der Staatskapelle Dresden in der Semperoper gedreht wurde. Auf den Musikerpulten liegt das Orchestermaterial der „Tannhäuser“-Ouvertüre. Film-Regie und Bildschnitt: Der Komponist Franz Schreker –  nach 1933 ebenso verfehmt wie Fritz Busch!

In Rezensionen renommierter Fachjournale konnte man lesen, dass mit dieser Box internationale Maßstäbe in Bezug auf die Edition historischer Aufnahmen gesetzt wurden: „Opulent ist eher eine Untertreibung für diese liebevolle Dokumentation: Drei CDs mit Film DVD und dickem Begleitbuch erzählen vom Erfolg eines großen Kapellmeisters und seinem rüden Rauswurf durch die Nazis – aber auch von frühen Tagen der Schallplatte und der staunenswerten Rundfunk-Musikkultur dieser Zeit“ (SPIEGEL 1/2009). „Eine Musikdokumentation, die einfach jeder Musikliebhaber besitzen sollte“ (Gramophone GB). „Diese Box ist nicht nur ein kostbarer Schatz für jeden Schallplattensammler, sondern auch ein wichtiges Dokument Zeitgeschichte.“ (Der neue Merker, Wien).

Pünktlich zu den Feierlichkeiten des 25. Jahrestages der Wiedereröffnung der Dresdner Semperoper bekam die Staatskapellen-Edition eine jüngere Schwester: Die „Semperoper Edition“. Geburtshelfer der Dokumentation über das Dresdner Opernensemble waren die Chefdramaturgin Ilsedore Reinsberg und Intendant Gerd Uecker.

„Wie schon seit gut fünf Jahren die Staatskapelle Dresden, so erhält nun auch das Sängerensemble der Semperoper eine gründliche musikhistorische Aufarbeitung in Form einer eigenen Reihe. Damit wird ein einzigartiges Kapitel in der retrospektiven Aufarbeitung der Dresdner Opernkultur des 20. Jahrhunderts eingeläutet. Erstmalig und exklusiv autorisiert geht es um nicht weniger als eine vollständige audiovisuelle Rekonstruktion der wechselhaften Geschichte des Dresdner Opernhauses in der Vergangenheit“. Diese Ankündigung in der hauseigenen Operzeitschrift „Semper!“ hatte alle Opernfreunde aufhorchen lassen. Anlass genug für den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Bernd Neumann, sich persönlich auf der MIDEM in Cannes über dieses neue Projekt zu informieren. ((Foto möglich))

Gleich Volume 1 der neuen Opernedition erinnert, gemahnt und führt uns mitten hinein in ein niemals zu vergessendes Kapitel der Dresdner Geschichte: Hinein in das beginnende Musikleben der ersten Nachkriegsjahre in der sowjetischen Besatzungszone. Die Dokumentation beginnt mit den frühesten Dresdner Aufnahmen nach der „Stunde Null“ 1945 und deckt in rundfunk- wie spielplantechnischer Chronologie die Zeit bis zur Wiedereröffnung des damaligen „Großen Hauses“ im Sommer 1948 ab. Es sind Dokumente von betörender musikalischer Schönheit zu hören. Aufnahmen, die unter teils abenteuerlichen Umständen im Kurhaus Bühlau, im Steinsaal des Hygienemuseums aber auch auswärts, z.B. in Leipzig, mit den Solisten des Dresdener Opernhauses produziert oder mitgeschnitten wurden. „Man hört Stimmen von einer Ausdruckstiefe, Eleganz und Kraft, dass einem die Tränen zwangsläufig kommen“, so die Zeitschrift „Audio“.

Auch MDR FIGARO berichtete über die erste Opernbox und sprach sogar von einer „Jahrhundertproduktion“. Das ist sie in der Tat, denn besonders die Mitarbeiter des Opernarchivs und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden haben Dokumente und Bildmaterial zugänglich gemacht, das noch niemand zuvor gesehen hat. Zum Teil wurden erstmals Bilder ausbelichtet die seit sechs Jahrzehnten nur als Kontaktabzüge archiviert waren. Im Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg wiederum konnten Live-Mitschnitte und Studioproduktionen ausfindig gemacht werden, die wegen ihres fragilen technischen Zustandes als „nicht sendefähig“ deklariert waren und nun nach einer ebenso aufwändigen wie liebevollen Restaurierung erstmals wieder hörbar sind und damit auf spannende Weise die Dresdner Aufführungsgeschichte erlebbar werden lassen.

Wiederum war auch dieses Projekt nur möglich mit einer illustren Schar weiterer Kooperationspartner, so der DEFA-Stiftung in Berlin. Stiftungsvorstand Helmut Morsbach war von dem Projekt so begeistert, dass er uns den Zugriff auf einzigartige DEFA-Filmmaterialen aus den Jahren unmittelbar nach der Zerstörung der Stadt und des Opernhauses ermöglichte.

„So beeindruckend hautnah und sinnlich ist Operngeschichte noch niemals aufbereitet worden! Kein anderes Opernhaus der Welt kann eine so umfassende Dokumentation vorweisen,“ freute sich Intendant Gerd Uecker bei der ersten öffentlichen Präsentation der Box im Rundfoyer der Semperoper. Ähnlich sahen es auch die Rezensenten und vergaben im Mai 2010 den “Preis der deutschen Schallplattenkritik“. „Es gibt sie tatsächlich noch, die ganz großen Überraschungen, aufwühlend, elektrisierend, überwältigend.», so das Klassikforum „Tamino“ Wien. Das Online-Portal „Klassik.com“ sprach von einer „wahren klingenden Schatztruhe“, und meinte: „Das Warten auf den zweiten Teil wird folglich zur schmerzvollen Geduldprobe!“

So sei uns ein neugieriger Blick hinein in die CD-Werkstatt auf die 2. Folge gestattet: Diese Box führt uns ins Jahr 1948 und mitten hinein in die knisternde Spannung der festlichen Eröffnung des Großen Hauses mit Beethovens „Fidelio“ unter der Leitung von Joseph Keilberth. Glücklicherweise war seinerzeit die Premiere durch den Landessender Dresden original übertragen worden. Eine reichliche Stunde hat in den verschiedensten in- und ausländischen Rundfunkarchiven überlebt. Also ließen sich  alle nachweisbaren Auskoppelungen nun wieder werkgerecht zusammenzustellen. Damit können wir jetzt wieder teilhaben an den musikalischen Höhepunkte der Oper mit Josef Herrmann, Bernd Aldenhoff, Christel Goltz, Elfride Trötschel, Gottlob Frick und Werner Faulhaber.

Wie schon in der ersten CD-Box wird es auch diesmal wieder eine DVD mit Filmen aus DEFA-Augenzeugen zur Eröffnung des Großen Hauses sowie vielen erstmals veröffentlichten Dokumenten aus den Nachlässen von Christel Goltz und dem damaligen Generalmusikdirektor Joseph Keilberth geben. In soeben gedrehten Filmaufnahmen erinnern sich die damals in Dresden engagierte Sängerin Lisa Otto, sowie der Rundfunktonmeister der Fidelio-Originalübertragung vom 22. September 1948 aus dem Großen Haus, Gerhard Steinke, sowie die einstige „Stimme des Landessenders Dresden“, Christel Klose.  Gedreht wurde in der Berliner Wohnung der einundneunzigjährigen Dresdner Sängerin sowie im Staatsschauspiel Dresden.

Natürlich darf bei einem solchen „Mammutprojekt“ wie der „SEMPEROPER EDITION“ die „EDITION STAATSKAPELLE“ nicht zu kurz kommen. So wollen wir auch hier nicht müde werden im Beobachten und Bewahren, wie sich Glanz und Klang der Kapelle in Zukunft fortschreiben werden.

Unser aktuellstes Beispiel dafür liefert Volume 31 mit der weltweit ersten Veröffentlichung eines Konzertes der Staatskapelle unter Christian Thielemann. Anlässlich der Europa-Tournee der Staatskapelle  wurde sie am 19. Mai 2010 vom designierten Chefdirigenten Christian Thielemann im Goldenen Saal in Wien präsentiert: Eine Hybrid-CD mit der Dolby-Sourround 5.1-Aufzeichnung der sensationellen Originalübertragung von Bruckners 8. Symphonie aus der Semperoper, jenem vorzüglichen Konzert bei dem – so die FAZ – „Thielemann auf Brautschau ging“ …

Ein letztes Wort in diesem Beitrag aber möge nun noch einmal der Intendant Gerd Uecker sprechen, dank dessen wohlwollender und tatkräftiger Unterstützung eine derartig tiefschürfende Dokumentationsarbeit erst möglich werden konnte:
„Noch niemals wurde in Form von nun zwei parallel laufenden Editionen die Tradition und musikalische Geschichte einer kulturellen Institution so allumfassend aufbereitet. Das ist Kulturgeschichte Dresden pur!“

Die vorstehenden Erinnerungen von Steffen Lieberwirth sind verfasst worden für das Buch “Beständig ist nur der Wandel: Über-Regionale Ermunterungen aus der Semperoper – Intendanz Gerd Uecker 2003-2010″, Dresden 2010, Hrsg.: Stiftung zur Förderung der Semperoper

 

((Bildvorschläge))

 

Der MDR 1993 mit seinen ersten neuen Ü-Wagen vor der Semperoper

Foto: MDR Gerhard Hopf

 

Der Ehrendirigent der Staatskapelle, Sir Collin Davis und der Musikchef des Mitteldeutschen Kulturkanals, Dr. Steffen Lieberwirth, die sich über einen „Echo-Klassik“ für die CD-Veröffentlichung mit der Aufnahme des am 13. Februar 1994 aus der Kreuzkirche übertragenen Requiems von Hector Berlioz freuen können. Die Aufnahme erschien als Vol. 20 in der „Edition Staatskapelle Dresden“

Foto: Matthias Creuziger

 

Thielemann mit Vol. 31 in Wien

Foto: Matthias Creuziger

Sorry, the comment form is closed at this time.