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„Jauchzet, frohlocket“ -?

Weihnachten mit dem Leipziger Rundfunkchor

 

Chronik des Leipziger Rundfunkchores

von Rüdiger Koch

 

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Fernsehaufzeichnung von Weihnachtsliedern im Freiberger Dom unter Leitung von Gert Frischmuth im November 1993
Foto: Album Gisela Kaltofen – Urheber unbekannt

 

Ob an Weihnachten die Geburt des Erlösers Jesus Christus gefeiert, ein Fest des Friedens und der Freude begangen oder die Zusammengehörigkeit der Familie zelebriert wird, steht doch eines fest:
Weihnachten ohne Musik – und speziell ohne das Singen – ist undenkbar!

So ist die Advents- und Weihnachtszeit seit jeher auch für die Sängerinnen und Sänger des Leipziger Rundfunkchores ein aus dem Choralltag herausgehobener Jahresabschnitt.


Rundfunkchorsänger berichten von ihren Weihnachtsbräuchen

 

 

Bachs Weihnachtsoratorium

Bachs Weihnachtsoratorium wird seit jeher zu Weihnachten von den Thomanern und beinahe allen Leipziger Kantoreien gesungen. Man sollte nun meinen, dass es auch für den Leipziger Rundfunkchor das in der Weihnachtszeit am häufigsten aufgeführte Werk gewesen ist. Doch weit gefehlt.
Zwar führte Alfred Szendrei in den 1920er Jahres dieses Werk mehrmals mit dem Chor und dem Sinfonieorchester des Leipziger Senders auf, doch zwischen 1928 und 1977 ist keine Aufführung dieses Bachschen Werkes durch den Rundfunkchor belegt.
Noch im 21. Jahrhundert vertraten Chefdirigenten und Chordirektoren die Meinung, das Weihnachtsoratorium doch lieber dem Thomanerchor zu überlassen. Vermutlich erklärt diese Auffassung auch die beinahe 50-jährige Pause in der Aufführung dieses Werke durch den Rundfunkchor Leipzig.


Übersicht der Aufführungen des Weihnachtsoratorium ab 1925

 

Chortagebuch-WO-for-web

Eintragungen zu Proben und Aufführung des Weihnachtsoratoriums im Chortagebuch des Leipziger Rundfunkchores zum Januar 1977

 

Herbert Kegel ist es gewesen, der 1977 das WO, wie es der Einfachheit halber in Musikerkreisen genannt wird, 1977 in den Konzertsaal brachte.
Danach entdeckten Peter Schreier und Helmuth Rilling, die Eignung des schlanken und doch warmen Rundfunkchor-Klanges für Bachs wohl populärstes Werk.


Herbert Kegel und das Weihnachtsoratorium im Spiegel der Kritik

 

 

WeihnachtsLPs-for-web

 

Peter Schreier nahm das Weihnachtsoratorium 1986 mit dem Leipziger Rundfunkchor, der Staatskapelle Dresden und den Solisten Helen Donath und Andrea Ihle, Sopran, Marjana Lipovšek, Alt, sich selbst und Eberhard Büchner, Tenor, sowie Robert Holl, Bass in der Dresdner Lukaskirche auf.


Das Weihnachtsoratorium als Schallplattenproduktion in der Dresdner Lukaskirche

 

 

Die weihnachtliche Chorliteratur ist ungemein vielfältig.
Alte deutsche Weihnachtslieder produzierte Dietrich Knothe 1958 für das Label ETERNA.
In den unterschiedlichsten Zusammenstellungen wurden diese Weihnachtslieder mehrere Male und in immer neuen Aufmachungen herausgegeben.

 

Es ist ein Ros´entsprungen

 

Rundfunkchor Leipzig
Dirigent: Dietrich Knothe
Historische Rundfunkaufnahme aus den Jahr 1958

 

Der Leipziger Rundfunkchor bestritt von 1960 bis 1964 jeweils am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag Konzerte in der beliebten Anrechtsreihe „Zauber der Musik“.
Dirigiert von Herbert Kegel oder Adolf Fritz Guhl, standen neben Weihnachtsliedern auch größere Werke auf den Programmen:
Janáčeks Glagolitische Messe, sowie Ausschnitte aus Hänsel und Gretel oder dem Messias.
Diese Tradition nahm Chordirektor Howard Arman 1998 wieder auf: An jedem 1. Weihnachtsfeiertag dirigierte er, auch wieder in der Reihe „Zauber der Musik“, internationale Weihnachtslieder, jeweils kombiniert mit einem größeren weihnachtlichen Werk, etwa dem Weihnachtsoratorium von Saint-Sëans, dem Winter aus Haydns Jahreszeiten, dem Byzantinischen Weihnachtsoratorium von Constantinescu, Philipp Wolfrums Weihnachtsmysterium, Schönbergs Motette Friede auf Erden oder Armans eigener Weihnachtsgeschichte nach Jakobus.
Die Tradition der Weihnachtskonzerte am 1. Feiertag wird bis zum heutigen Tag fortgeführt.

Während sich „normale“ Familien an den Festtagen unter dem Weihnachtsbaum versammelten, am Abend des 1. Feiertages den zu Mittag genossenen Gänsebraten verdauten oder sich abends in die Kongresshalle oder das Gewandhaus begaben, um weihnachtliche Musik zu genießen, mussten sich die Chormitglieder auf Konzerte einstimmen und am Abend auf dem Podium stehen – also arbeiten!
Zwar ist das Chorsingen eine der schönsten Tätigkeiten, die man sich denken kann. Doch gerade an Feiertagen wird eben doch deutlich, dass es bei allem Jauchzen und Frohlocken – und aller Freude am Beruf! – auch Arbeit ist.

 

SLIDESHOW:
• Weihnachtsliedersingen in der Orthopädischen Klinik mit Armin Oeser, 1964
• Weihnachtskonzert in der Kongresshalle mit Adolf Fritz Guhl, 1964
• Weihnachtsliedersingen für den Patenbetrieb MAB Schkeuditz mit Horst Neumann, 1972
Fotos: Archiv des Leipziger Rundfunkchores

 

Dennoch blieb in der Weihnachtszeit genug Raum, sich Kranken zuzuwenden oder die Geselligkeit innerhalb des Chores zu pflegen.
In den 1960er Jahren sang der Leipziger Rundfunkchor häufig auf den Stationen der Orthopädischen Klinik und gab 1972 ein Weihnachtskonzert für den Schkeuditzer Patenbetrieb MAB.

1965 begründete der damalige Chorvorstand, angeregt durch die Choraltistin Margot Gleisberg, die bis in die Gegenwart bestehende Tradition der Jahresabschluss- bzw. Weihnachtsfeiern.
In geselliger Runde und bei gutem Essen wird innegehalten und die Gemeinschaft mit den aus dem aktiven Chorleben ausgeschiedenen Sängerinnen und Sängern sowie dem „Verein der Freunde und Förderer des MDR Rundfunkchore“ e.V. gepflegt.

Einen Platz auf den weihnachtlichen Gabentischen hat sich der MDR Rundfunkchor inzwischen auch erobert: In jüngster Zeit produzierte das Ensemble zwei CD mit internationalen Weihnachtsliedern: Strålande Jul (2016) und O sanctissima – O du fröhliche (2017). Außerhalb Deutschland geborene Chormitglieder stellen dabei weihnachtliche Lieder ihrer Heimat vor und wirken als Solisten mit.

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The first Nowell

 

Weihnachtslied aus England
Komposition und Text: Volksweise 19. Jahrhundert
Satz: John Stainer (1840-1901)

MDR Rundfunkchor
Dirigent: Philipp Ahmann
Aufnahme 2017 GENUIN

 

 

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