Der Rundfunk als Musikproduzent und Zeitzeuge

Bewahrt in einmaligen Momentaufnahmen

 

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Radio-Werbepostkarte mit Wechselbild aus dem Jahr 1924
Dokument: Sammlung Lieberwirth

 

Elektrisierend muss es auf die Menschen gewirkt haben, als sie in ihrer sogenannten „Guten Stube“ vor einem grammophonartig anmutenden Trichterlautsprecher sitzend oder unter aufgesetzten Kopfhörern lauschend, nun dank des neuen Mediums Radio ganz nach Belieben an einer Opern-Premiere oder einer Konzertübertragung teilhaben konnten.
Wer etwas auf sich hielt, wollte sich dem Trend jener „modernen Zeit“ natürlich nicht verschließen.

Und tatsächlich war es der Pioniergeist findiger Techniker, der die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts so zukunftsweisend werden ließ.

Da spielte es auch gar keine Rolle, das die ersten Lautsprecher eher von bescheidener Klangqualität waren und sie die Musik mal blechern, mal schnarrend, mal knisternd, mal prasselnd oder verrauscht wiedergaben.
Radiohörern gehörte die Welt! Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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Der „Radio-Zauberer“
„Der Radioapparat beginnt zu wachsen und zu leuchten. Er wird zum phantastischen Zauberer, der das Märchen erscheinen läßt“, so heißt es in einer Beschreibung der Sächsischen Staatsoper Dresden zur Inszenierung des Ballets „Der Nussknacker“ von Peter Tschaikowski 1928.
Figurine-Zeichnung des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer für diese Aufführung in der Semperoper.

Selbst Dichter und Komponisten besangen den Rundfunk auf ihre eigene Weise. Eine regelrechte Liebeserklärung an das Rundfunkmikrofon, den Lautsprecher und die Radiowellen schrieb 1930 der Komponist Pavel Haas mit seiner Hymne zu Ehren des Radiopioniers Guglielmo Marconi.
Auch für die Bauhauskünstler wie Oskar Schlemmer war der Rundfunkempfänger mit seinen freistehenden und im Empfangsbetrieb so mystisch rot glühenden Röhren ein hochwillkommenes Zeitgeist-Thema in ihrer modernen Kunstphilosophie zum „Radio-Zauber“.
Bis auf die wenigen sogenannten „Schallplattenkonzerte“, bei denen kurzerhand Schellackplatten im Radio abgespielt wurden, war immer alles live!
Für die Nachwelt festhalten ließen sich die frühen Radiosendungen anfangs noch nicht, was sich aber mit der Erfindung des Plattenschneiders zu Ende der 1930er Jahre ändern sollte. Nun konnten Übertragungen oder Rundfunkproduktionen auch wiederholt ausgestrahlt werden. Also mussten zum Zweck der Verwaltung und umsorgten Aufbewahrung der Rundfunkaufnahmen einschlägige Archive geschaffen werden; die Rundfunkarchive.

 

Das ist nun der geeignete Zeitpunkt, Sie einzuladen auf eine Zeitreise in die mitteldeutsche Musik- und Rundfunkgeschichte. Dazu wollen wir uns auf die Suche begeben nach überlieferten und hochkarätigen aktuellen Aufnahmen mit der Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Ensemble der Staatsoperette Dresden, dem MDR Sinfonieorchester, dem MDR Rundfunkchor, den Sängern der Staatsoper Dresden und des Leipziger Opernhauses sowie dem Thomanerchor.

Bis heute versteht sich der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk in Deutschland auch als wichtiger regionaler Musikproduzent. Und nicht ganz unbescheiden stellen wir dabei fest, dass die Rundfunkarchive keineswegs etwa nur museale Bewahrer des uns überlieferten musikalischen Gedächtnisses sind, sondern auch die aktuellen Surround-Aufzeichnungen der mitteldeutschen Orchester und Opernhäuser den kommenden Generationen zukunftssicher übereignen wollen. Die Rundfunkschätze aus bislang neunzig geschichtsträchtigen Jahren eben …

Dank einer partnerschaftlichen und deshalb auch kontinuierlichen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv in Frankfurt am Main und Potsdam sowie dem Kulturradio MDR FIGARO können diese einmaligen Archiv-Trouvaillen nunmehr gehoben und somit der Öffentlichkeit in fünf Editionsreihen so namhafter Labels wie Profil Edition, Querstand, CPO und MDR KLASSIK weltweit zugänglich gemacht werden.

In diesem Sinne ist uns Ihre Neugier beim Stöbern nach Fotos, Rundfunkaufnahmen und Dokumentarfilmen hochwillkommen!

Dr. Steffen Lieberwirth

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Wir bitten Sie herzlich um Verständnis, dass sich unsere Webseite  im Aufbau befindet, aber dennoch ständig weiter und tiefgründig vervollständigt wird …